Das Leben ist (k)ein Spiel.

brd-thegambler

Review | Kritik | Bewertung
The Gambler (2015)

Bewertung: 4 von 6
Studio: Paramount
www.thegamblermovie.com

Sind wir denn wahnsinnig in unserem Streben nach einem besonderen, einem erhebenden Moment in unserem Leben? Wenn der Literaturprofessor Jim Bennett (gespielt von Mark Wahlberg) an der Universität von Los Angeles mit den Worten „Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage.“ einen weltberühmten William Shakespeare zitiert, dann umschreibt er damit ein Stück weit seinen eigenen risikofreudigen, selbstzerstörerischen Charakter. Von seinen Studenten erwartet er mehr Aufmerksamkeit, von seinem eher tristen, weil in der Belanglosigkeit festgefahrenen Dasein ganz offensichtlich nicht mehr allzu viel. Bennett ist spielsüchtig und geht seiner Leidenschaft in zwielichtigen Kreisen nach. Dem Besitzer einer illegalen „Spielhölle“ (und hier passt der Begriff wirklich perfekt in die bedrohliche Atmosphäre) schuldet Jim bereits stattliche 240.000 US-Dollar, was mitunter an seiner (wahrlich jegliche Vernunft ausblendenden) Spielweise liegt.


Er setzt beispielsweise beim Black Jack 10.000, gewinnt und verdoppelt damit den Einsatz mehrmals hintereinander, weshalb er schon nach wenigen Runden 160.000 gewonnen hätte... wäre die Summe nicht sofort wieder beim Roulette verloren, weil Jim alles auf die falsche Farbe setzt. Chance verpasst. Jeder andere würde an diesem Punkt enttäuscht das Feld räumen, Jim Bennett hingegen fordert von Lee (Alvin Ing) einen weiteren Kredit und bekommt ihn in Höhe von 50.000 US-Dollar, allerdings von einem noch größeren Ganoven namens Neville Baraka (Michael Williams). Es dauert nicht lange, bis auch dieses Geld verspielt ist – auf welche Weise, habe ich gerade beschrieben. Das Spektakel mag andere amüsieren, für Jim nimmt es ein lebensbedrohliches Ausmaß an, schließlich sitzen ihm jetzt zwei höchst unangenehme Gläubiger im Nacken und verhandeln lassen diese beiden nicht mit sich.

movie-thegamblerEs gibt eine konkrete Deadline. In sieben Tagen sollte Bennett besser seine Schulden beglichen haben, sonst... Als Enkel eines der reichsten Männer in den USA eigentlich kein Problem, könnte man meinen. Nach dessen Tod sitzt aber Jim's Mutter Roberta (Jessica Lange) auf dem Vermögen. Sie um Hilfe zu bitten, fällt dem stolzen Sohn sichtlich schwer. Weil sie nicht gerade eine innige familiäre Beziehungen pflegen, gibt es zunächst keinen einzigen Cent. Woher also das so dringend benötigte Geld nehmen? Nun gut, es gibt reichlich (gefallene) Engel in dieser Stadt, der nächstbeste einflussreiche Geschäftsmann wird also nicht weit weg sein. Bennett trifft sich mit einem gewissen Frank in der Sauna – ein Anblick, den uns John Goodman, der ihn verkörpert, hätte ersparen können. Seine Bedingungen für eine Leihgabe sind leider inakzeptabel. Ein weiteres Mal mit der dezenten Anmerkung „zunächst“. Es sind noch fünf Tage... Als Zuschauer kann man sich gedanklich ausmalen, wie sich die Lage im Laufe der insgesamt 111 Filmminuten weiter zuspitzt.

James Caan steckte 1974 in einer ähnlichen Situation, wir sprechen bei The Gambler von einem modernisierten, angepassten Remake des britischen Filmemachers Rupert Wyatt (Planet der Affen: Prevolution). Welches Druckmittel haben die Gläubiger gegen Jim Bennett in der Hand, wo ihm doch sein eigenes Leben absolut nichts mehr bedeutet? Er fühlt sich unwohl in seinem spannungsarmen Spießer-Leben. Sein Motto: Alles oder Nichts. Frank erteilt ihm den Ratschlag, im richtigen Moment aufzuhören und philosophiert etwas von einem erstrebenswerten „Fuck You Status“. Die tragische Hauptfigur des Thrillers The Gambler zeigt in dieser Phase dafür wenig Verständnis. Vielleicht kann ihn seine Studentin Amy Phillips (Brie Larson) zur Vernunft bringen, die er für eine geniale Künstlerin hält und das recht offen vor der gesamten Klasse proklamiert. Ist sie das berühmte Ass im Ärmel, mit dem keiner gerechnet hatte? Ich möchte bewusst nicht mehr verraten und wünsche viel Spaß dabei, es selbst herauszufinden.



redakteur-alex

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Alexander Riede ist der Meinung...
Die Risiken des Glücksspiels sind hinlänglich bekannt. Normalerweise verleiten jene vielen neuen Möglichkeiten, die man mit erworbenem Reichtum plötzlich hätte, zu einem irrationalen Handeln. Wer sich dazu entschließt, der sich die Hände reibenden Lottogesellschaft das hart verdiente Geld (für eine denkbar geringe Chance auf den Jackpot) in den Rachen zu schieben, geht noch einem harmlosen Zeitvertreib nach. Sportwetten zu manipulieren, macht das Einzelschicksal dann schon zu einem dynamischen, gleichermaßen kriminellen und folgenschweren Prozess. The Gambler ist ein Fingerzeig, wenn man so möchte.

Preisvergleich: The Gambler