Der größte Fehler seines Lebens.

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Review | Kritik | Bewertung
The Gunman (2015)

Bewertung: 4 von 6
Studio: Studiocanal
www.thegunman.de

Die Demokratische Republik Kongo, ein Land voller Reichtum an Bodenschätzen und doch mit großer Armut, was seine Bevölkerung betrifft. Es dürfte mittlerweile kein allzu gut gehütetes Geheimnis mehr sein, wer sich vorrangig die Taschen mit Geld vollstopft: korrupte Regierungsbeamte, Politiker und selbstverständlich ausländische Unternehmen, die teilweise unter dem Deckmantel humanitärer Hilfsangebote ein falsches Spiel treiben. Die Story von The Gunman basiert auf dem Roman The Prone Gunman von Jean-Patrick Manchette. Der zweifache Oscar-Preisträger Sean Penn beteiligte sich am Drehbuch einer Kinofassung, wirkte an der Produktion des französisch-amerikanischen Action-Thrillers mit und übernahm als Jim Terrier auch gleich die Hauptrolle. Dieser war einst bei den Special Forces und arbeitet 2006 in einer kleinen Söldnertruppe mit profitablen Interessengrundlagen.


So ganz blickt man als Zuschauer speziell in der Anfangsphase des Films nicht durch, wer für wen arbeitet und in wessen Auftrag handelt, weil sich der Regie führende Pierre Morel kaum Zeit nimmt für eine nähere Beleuchtung der Hintergründe. Wichtige Figuren in einem dunklen Machtspiel tauchen im weiteren Verlauf einfach so auf und aus ihren Verflechtungen muss man sich selbst einen Reim machen. Jedenfalls bewacht Jim hauptamtlich den Ausbau karitativer Infrastrukturen. Seine Lebensgefährtin Annie (Jasmine Trinca) arbeitet als Ärztin ohne Grenzen und ist relativ ahnungslos zu sonstigen Aktivitäten amerikanischer/europäischer „Investoren in ein besseres Leben“. Stellt sich nur die Frage, für wen... Der amtierende Bergbauminister plant, sämtliche Verträge mit ausländischen Unternehmen zunächst auf Eis zu legen und in neue Verhandlungen zu treten. Weshalb er zum Abschuss freigegeben wird. Jim Terrier plus zwei weitere Scharfschützen begeben sich auf Position, lediglich einer von ihnen wird den Feuerbefehl per Telefonanruf erhalten und soll anschließend so schnell wie möglich das Land verlassen.

movie-thegunmanDie Wahl fällt natürlich auf Jim, was einen faden Beigeschmack enthält, weil der Befehl von seinem falschen Freund Felix (Javier Bardem) kommt, der ganz offensichtlich ein schwärmerisches Verhalten gegenüber Annie zeigt. Jim muss nach dem tödlichen Attentat auf den Bergbauminister eine Weile untertauchen, kehrt erst acht Jahre später in den Kongo zurück, um erneut im Dienst einer Hilfsorganisation zu arbeiten. Dieses Mal jedoch ohne Schusswaffe. Er leistet technische Unterstützung bei Brunnenbohrungen und wird von seinen Taten in der Vergangenheit unerwartet wieder eingeholt. Eine paramilitärische Gruppe stürmt das Camp, eröffnet sofort das Feuer und versucht gezielt, den sich ordentlich wehrenden Terrier zu töten, was ihnen nicht gelingt. Was sollte dieses Killerkommando? Jim braucht dringend Antworten, reist umgehend nach London. Erste Anlaufstelle: der frühere Söldnerkollege Cox (Mark Rylance), der inzwischen zu einem gut verdienenden Geschäftsmann aufgestiegen ist. Die beteiligten Personen des Attentats kennt laut seiner Aussage nur ein Mensch, weshalb der Verdacht einer undichten Stelle prompt auf Felix fällt. Bevor Jim nach Barcelona weiterreist, bittet er einen anderen Freund um die passende Ausrüstung. Das Gespräch der beiden endet im Krankenhaus.

Nicht, weil sie sich gestritten hätten, sondern ausgelöst durch einen Schwindelanfall des sonst sehr robust wirkenden Story-Helden. Der behandelnde Arzt diagnostiziert einen traumatischen Auslöser, gegen den es keine Medikamente gibt. Terrier soll kürzer treten, was angesichts seiner Recherchen und heftigem Widerstand, mit dem gerechnet werden kann, schwer fallen dürfte... In Barcelona angekommen, wird Jim so einiges klar: Felix kümmerte sich in seiner Abwesenheit ganz besonders um Annie, die zwei sind mittlerweile ein Paar und wollen ein Kind adoptieren. Annie reagiert peinlich berührt und sauer zugleich bei einem Wiedersehen mit Jim, der sich damals ohne Bescheid zu geben aus dem Staub machte. Der Dinner-Abend scheint ruiniert, doch reichlich unerwartet sucht die Verflossene am selben Abend Jim's Unterschlupf auf und sie lieben sich wie in alten Tagen. Eine pikante Note in einem ansonsten sehr actionlastigen Gesamtbild. Irgendjemand möchte Jim Terrier tot sehen und weil Sean Penn in The Gunman den knallharten Profi mimt, verpasst ihm das Skript eben als Handikap die schützenswerte Große Liebe neben seinen gesundheitlichen Schwächephasen.



redakteur-alex

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Alexander Riede ist der Meinung...
An den Kinokassen floppte The Gunman, spielte angeblich weniger als die Hälfte des Budgets ein. So mancher Kritiker bezeichnete den Action-Thriller als unterdurchschnittlich und ließ an dem erstaunlich durchtrainierten Sean Penn ansonsten kein gutes Haar. Als 55-jähriger Schauspieler könne man nicht einfach von einem Charakterdarsteller zu einem Muskelprotz mutieren und dafür noch Anerkennung erwarten. Warum eigentlich nicht? Liam Neeson genießt schließlich seinen zweiten Frühling ebenfalls in vollen Zügen und The Gunman bietet gemäß seines Genres solide Abendunterhaltung ungeachtet des Umstands, dass einiges an Potenzial auf der Strecke geblieben ist.

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